Jo Winter
 
22.4. - 20.5.2007
 
"Arbeiten auf Papier und Holz "

 

Vom 22.4. - 20.5 stellt die Emmendinger Galerie im Tor Arbeiten auf Papier und Holz von Jo Winter aus. Der 1949 in Munderkingen geborene Künstler hat für seine neuen Bilder Pergament-Papier verwendet. Dieses hat die Eigenschaft, transparent zu sein, was zulässt, dass er sie in mehreren Schichten aufbaut. Hinter dem vordergründig gezeichneten Strich sind ambivalente und von der Zahl der Blätter abhängige, farblich differenzierte Meta-Formen sichtbar. Die Kompositionen sind im wahrsten Sinn des Wortes vielschichtig, hintergründig prozesshaft.

Zur Komplexität trägt überdies die Oberfläche bei: Das Pergament wellt sich durch die Tusche, und selbst das die Figur umgebende weiße Material reagiert auf den Pinsel. Die Zeichen, Figuren oder eben die Kommentare gewinnen durch all das eine noch dynamischere Qualität als es der Pinselstrich oder die ausgeformte Figur auf den Übermalungen hatten. Auch der Strich des schwarzen Stiftes - Grafit ist ihm zu grau - gewinnt auf dem Pergament eine bemerkenswerte Differenzierung.

Jo Winter erzählt, appelliert. Seine Zeichen für unser aller Bedrohung und Glück sind mannigfaltig: Wir erkennen Köpfe, Vögel, Häuser, zerfließende oder sonstwie gefährdete Formen. Immer wieder sind Köpfe und Figuren zu erahnen, die manipuliert, menschlich zurückgesetzt oder beschädigt wirken. Erdrückendes, Bedrohliches, Amorph-Erfühltes spielt sich ab oder ist in Gespinsten erfasst. Dabei ist das Zeichenhafte derart formuliert, dass es mitunter abstrakt scheint. Ängste wie auch Glück lassen sich, wenn wir ganz tief in uns hineinhören, gar nicht präzise verifizieren, aber sie sind manifest.

In der Ausstellung werden auch neue Arbeiten in Holz gezeigt. Winters Plastiken-, Häuser-, Mauer-, Treppen-, Leiter-oder Boot-ähnliche Gebilde - sind aus Eichen- oder Pappelholz mit der Kettensäge herausgearbeitet, oft feuergeschwärzt, setzen die Welt der Zeichnungen im Raum auf beeindruckende Weise fort.


Fritz Kendel