Ulrike Schräder, Simonswald
- Keramik u. Zeichnung -

 

„Zwischen den Ufern“ meint einen Zwischenzustand:
etwas verlassen haben und noch nicht angekommen zu sein, einen Ort, eine Lebensweise, einen Menschen, eine Idee...
Es meint einen Zustand von Abschied und Aufbruch, eine Reise antreten, auf der ich Altes hinter mir lasse, um Neues zu wagen.
Es meint, eine Schnittstelle zwischen Vergangenheit und Zukunft.
Es meint, Vergangenes  in Zukünftiges zu verwandeln.

Das Boot als Metapher dafür, dass sich neue Räume eröffnen.
Das Boot als Metapher für: in Bewegung sein, sich bewegen auf ein Neues hin.
Das Boot, um von einem Ort an einen anderen zu kommen.
Das Boot in seiner Form wie ein Gefäß, das Schutz, Sicherheit und Gemeinschaft bietet.
Das Boot auch als Symbol für Hoffnung und  Sehnsucht und Abenteuer: auf zu neuen Ufern,
sich den Widrigkeiten der Natur aussetzen, Gefahren überstehen, um Unbekanntes, Fremdes zu entdecken.
In unserer gegenwärtigen Zeit ist das Boot oder Schiff immer mehr auch ein Bild von Heimat verlassen müssen, von existenzieller Bedrohung und Flucht.

Das Boot ist für mich ein vielschichtiger Bedeutungsträger und so findet es sich in meinen Arbeiten als archetypisches Zeichen in den keramischen Arbeiten und in den Wachsbildern und Radierungen.
Als Bildmotiv,  das die Aspekte des Daseins zu ergründen sucht: Wo komme ich her? Wo gehe ich hin?
Im Strom des Lebens stehen, zwischen Erscheinen und Verschwinden.

Meine Figuren in den keramischen Arbeiten sind vor allem Frauenfiguren.
Äußerlich statisch, sich aufrichtend, aufrecht.
Die Bewegung spielt sich eher in der Oberfläche ab.
Die Figuren atmen den Hauch des Flüchtigen, des Instabilen, Unvollständigen, manchmal mit harten Schnittflächen. Die Haut wie zerklüftet, jede Wölbung und Vertiefung spricht von ihrem Werden und Vergehen, von Gewordenem.
Trotz dieser Spuren von Vergänglichkeit zeigen sie Energie und Stärke.
In vielen Schichten von innen nach außen gearbeitet, durch den Brand gegangen und kaltbemalt wirken sie wie archäologische Funde, und weisen doch in unsere Zeit mit der Frage: Wer bin ich? .

In den Wachszeichnungen und in den Radierungen wird dieses Thema ebenfalls sichtbar:
Die Figurationen in Wachs, auch sie sind Fragmente, Abstraktionen, Reduzierungen.
In vielen Schichten, die gemalt, eingerieben, gekratzt, abgewischt und wieder bearbeitet wurden.
Es ist für mich eine Suche, eine Spurensuche, eine Suche nach Form und Formauflösung, in flinken spielerischen Skizzen oder Flächen, die von Wachs geschützt oder transparent gemacht werden. Und dann die Figurationen und Boote erneut belebt hervortreten lassen.


Ob Zeichnung, Plastik oder Radierung:
Der Blick ist immer auf den Menschen gerichtet.
„Aber gäbe es nur eine Wahrheit“, wie Picasso sagt, „dann könnte man nicht so viele Bilder zu einem Thema machen.“